Homöopthie beim Pferd - nur ein Trend oder wirksame Therapie?
Viele Menschen haben für sich und ihre Vierbeiner die Homöopathie entdeckt. Wo die Schulmedizin manches Mal an ihre Grenzen stößt, kann die Homöopathie viel bewirken. Chronisch oder psychosomatisch erkrankte Patienten und auch eine Vielzahl von Allergikern suchen immer öfter einen Homöopathen auf.Wir sprachen mit der Tierärztin Elke Groeneveld, welche Erfahrungen sie tagtäglich mit der Homöopathie bei Tieren macht. Viele meiner Kunden lehnen es auch einfach ab, bei bestimmten Erkrankungen gleich mit der „chemischen Keule“ zu behandeln, sondern fragen nach alternativen Behandlungsmethoden. hómoios = gleich, gleichartig, ähnlich
páthos = Leid, Schmerz ⇒ „ähnliches Leiden mp: Was versteht man unter Homöopathie? E. Groeneveld: Man hat beobachtet, dass Tiere, die an bestimmten Gesteinen leckten oder Pflanzen vermehrt fraßen, bestimmte Krankheiten bekamen. Darauf hin hat man begonnen, Krankheiten wie z.B. Knochenzubildungen, so genannte Überbeine, mit genau diesen Mitteln, die in Überdosierung diese Zubildungen hervorriefen, zu behandeln. Für die Therapie wird der Stoff, der Überbeine produziert, homöopathisch aufbereitet d.h. stark verdünnt. In dieser aufbereiteten Form wirkt das Mittel genau entgegen gesetzt, die Überbeine bilden sich im besten Fall zurück. Wir sprechen hier von der klassischen Homöopathie – Gleiches wird mit Gleichem therapiert, wobei immer nur eine Arznei benutzt wird. Und es werden ausschließlich homöopathische Mittel verwendet. Hier finden Sie Bücher zur Homöopathie bei Pferden>> mp: Kann die klassische Homöopathie bei Tieren angewendet werden? E. Groeneveld: Es ist deutlich schwieriger bei einem Tier eine Anamnese durchzuführen als beim Menschen. Die Anamnese gibt mir genau Aufschluss darüber, um was für einen Typ Tier es sich handelt. Da das Tier mir meine Fragen leider nicht verbal beantworten kann, setzen wir auf eine gute Beobachtungsgabe des Besitzers. Hierbei liegt das Problem meist darin, dass der Pferdebesitzer sein Pferd nur zu bestimmten Tageszeiten sieht. Ich versuche den Typus des Tieres so genau wie möglich einzugrenzen mit Hilfe der akuten Symptome oder eventueller Vorerkrankungen, die mir bekannt sind. Nach dieser Analyse suche ich die passenden Mittel heraus.
mp: Gibt es Mittel, die die Wirkung eines anderen Mittels beeinträchtigen?E. Groeneveld: Ja. Es lassen sich nicht alle Mittel miteinander kombinieren. Eine genaue Kenntnis über die Wirkungsweise der Mittel ist unbedingt notwendig. Hier unterscheidet sich die klassische Homöopathie von meiner Anwendungsweise, da sie immer nur ein Mittel zur Zeit einsetzt und auch eine Kombination mit der Schulmedizin komplett ausschließt. mp: Es gibt Kritiker, die behaupten, dass die Regenerationszeit bei der homöopathischen Behandlung länger ist als bei der Schulmedizinischen Therapie. Wie ist Ihre Erfahrung? E. Groeneveld: Das kann man nicht pauschal sagen. Finde ich sofort das richtige Mittel, kann sich bereits nach ca. 15 Minuten eine Besserung einstellen. Es ist zum Beispiel bei akuten Koliken so, dass ich die Besserung genauso schnell hervor rufen kann wie mit einem gespritzen Mittel aus der Schulmedizin. Bei dramatischen Kolikfällen ist es mir häufig zu gefährlich, erst das richtige Mittel zu finden. In diesem Fall greife ich sofort zur Schulmedizin, um sicher zu gehen. Sollte das Pferd häufiger an Koliken leiden, so kann ich dann mit homöopathischen Mitteln vorbeugend behandeln, damit es erst gar nicht zu einer Kolik kommt. „Die Homöopathie regt den Körper an,sich selbst zu regenerieren.“ mp: Welche Erkrankungen behandeln Sie am häufigsten homöopatisch? E. Groeneveld: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich behandle viele Hauterkrankungen, Sehnen- und Gelenkbeschwerden, Husten - es sind mehr chronische Erkrankungen, da die Besitzer häufig erst dann zu mir kommen, wenn sie mit der Schulmedizin nicht weiter kommen. Die Vorbeugung spielt auch eine große Rolle. Eine Stute, die ich schon mehrere Jahre kenne, hat jedes Mal nach der Geburt ihres Fohlens eine Nachgeburtsverhaltung. Der Besitzer verabreicht seiner Stute nun jedes Jahr zwei Wochen vor Geburtstermin bestimmte homöopathische Tropfen, um dieser Verhaltung vorzubeugen. An diesem Fall sieht man, wie breit gefächert die Anwendungsgebiete der Homöopathie sind. mp: Woher stammt Ihre Überzeugung für Homöopathie? E. Groeneveld: Das Interesse für die Homöopathie war schon während meines Studiums da. Ich bin zu Hause auch eher mit Hausmitteln groß geworden als mit schulmedizinischen Medikamenten. Während meiner Praktikumszeit wuchs das Interesse dann noch mehr an. Das Therapieren von Jungtieren mit „harten“ Medikamenten bereitete mir zusehends Unbehagen, da die Folgeschäden durch die Medikamente meist größer waren als deren Wirkung. Ich informierte mich noch intensiver über die Wirkungsweise der Homöopathie und unterhielt mich mit Kollegen, die die Homöopathie bereits erfolgreich anwendeten. Das Schlüsselerlebnis hatte ich dann mit meinem drei Monate alten Sohn, der an starken Hustenanfällen litt. Diese Anfälle wurden so schlimm, dass ich eines Nachts den Notarzt rief, der ihm über einen längeren Zeitraum Cortison-Zäpfchen verabreichen wollte. Diese Behandlung wollte ich meinem Säugling nicht zumuten und befasste mich dann noch intensiver mit alternativen Heilmethoden. Letztendlich fand ich eine entsprechende Arznei, mit der ich meinen Sohn behandelte und es kam danach nie wieder zu solch einem Hustenanfall.
„Hauptsache geheilt!“
mp: Gibt es bei der Homöopathie Grenzen? E. Groeneveld: Theoretisch nein. Allerdings wirkt sie genau wie die Schulmedizin nicht bei jedem Tier. Für mich ist die optimale Medizin die Kombination aus beidem. Die Schulmedizin ist absolut richtig und gut und in bestimmten Fällen bleibt mir gar nichts anderes übrig als mich der Schulmedizin zu bedienen vor allem im akuten Stadium. Das langfristige Stadium behandle ich dann mit der Homöopathie. mp: Welche Mittel gehören in die Stallapotheke, die man ohne Bedenken selbst verabreichen kann? E. Groeneveld: Laut der klassischen Homöopathie hann ich kein Mittel ohne Bedenken anwenden, da jedes Mittel mit Wirkung auch Nebenwirkungen hat. Trotzdem bin ich der Meinung, dass bestimmte Mittel in jede Stallapotheke gehören. DIE HOMÖOPATHISCHE STALLAPOTHEKEArnicaPrellungen und Schürfwunden Arconitum und Belladona Fieber, Nasenausfluss, grippeähnliche Symptome Nux vomica Kolik, Bauchschmerzen
WICHTIG: Besprechen Sie Anwendung und Dosierung unbedingt mit Ihrem Tierarzt.
mp: Wir danken Elke Groeneveld für dieses Gespräch. Nicoletta Gavar
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