
Als Verhaltensstörung wird bei Pferden ein Verhalten bezeichnet, das in seiner Art, seinem Umfang und/oder seiner Dauer einer Situation nicht angemessen ist und unter der das Tier leidet. Dies können beispielsweise unruhe- oder angstanzeigende Verhaltensweisen wie Scharren oder Kopfschlagen sein, die auch dann auftreten, wenn keine Ursache für Angst oder Unruhe erkennbar ist.
Von einer Verhaltensstörung spricht man allerdings erst dann, wenn das Verhalten dauerhaft oder zumindest wiederholt auftritt.
Zu den bekanntesten Verhaltensstörungen gehören das Koppen und das Weben. „Koppen“ bezeichnet ein Verhalten, bei der das Pferd die Halsmuskulatur anspannt, so dass Luft in die Speiseröhre gelangt. Oft setzt es dabei die
Zähne
Zähne auf einen Gegenstand (z.B. Futterkrippe) auf.
Beim Weben bewegt das Pferd Kopf und Hals von einer Seite zur anderen und verlagert das Gewicht von einem Vorderbein zum anderen. Dadurch kann es zur Abnutzung der Vorhandgelenke kommen.
Weitere Verhaltensstörungen können beispielsweise das Benagen von Holz oder das Fressen von Sand und Kies sein. Ebenso die bereits erwähnten Verhaltensweisen Scharren und Kopfschlagen sowie Verhaltensformen im Kontakt mit dem Halter wie Scheuen oder Bösartigkeit.
In fast allen Fällen haben Verhaltensstörungen bei Pferden ihre Ursache in einer nicht artgerechten Haltung. Vor allem ein ständiger Aufenthalt in der Box führt bei fast jedem Pferd früher oder später zu einer Verhaltensauffälligkeit. Die Tiere leiden unter Langeweile und Stress, haben kaum Sozialkontakte und können sich nicht ausreichend bewegen.
Die Grundbedürfnisse als Flucht- und Herdentiere sind bei einer reinen Boxenhaltung nicht erfüllt.
Die wichtigste Gegenmaßnahme besteht daher darin, eine
angemessene Haltung
sicherzustellen:
Ausreichend Freilauf, Kontakt zu anderen Pferden und eine ständige Bereitstellung von Raufutter muss gewährleistet sein. Außerdem sollte dem abweichenden Verhalten möglichst wenig Aufmerksamkeit geschenkt werden, da es sonst verstärkt wird. Viele Verhaltensstörungen bessern sich durch diese Maßnahmen erheblich, allerdings hören sie manchmal nicht vollständig auf. Je länger die Verhaltensstörung anhält, desto schlechter sind die Heilungschancen.