Hufrehe – Früherkennung sichert größtmögliche Heilungschancen
Was ist eigentlich Rehe? Die Tierärztin Blanca Greciano berichtet über die Ursachen, die Symptome und die Behandlung dieser ernst zu nehmenden Erkrankung.
Was viele Pferdebesitzer nicht wissen: Rehe entsteht nicht im Huf, sondern im Blut.Die medizinische Beschreibung der Rehe-Erkrankung lautet folgendermaßen: Die pathologischen Vorgänge am Huf sind eine lokale Äußerung einer systemischen metabolischen (allgemeinen Stoffwechsel-) Störung, welche das kardiovaskuläre (Kreislauf-), renale (Nieren-) und endokrine (Drüsen-) System, die Blutgerinnung und den Säure-Basen-Haushalt betrifft. (Stashak, 1989) Hier finden Sie passende Literatur zum Thema Hufrehe>> Bei Hufrehe wird der Aufhängeapparat des Hufbeins zerstört. Dieser besteht aus den Blättchenschichten von Hornwand und Huflederhaut, die eng ineinander verzahnt sind. Verschiedene Ursachen bewirken, dass Toxine in die Blutbahn gelangen. In der ersten Phase der Erkrankung erreichen diese Toxine zunächst die Arterien im Huf, wo sie Durchblutungsstörungen und Schwellung der Huflederhaut bewirken. In der festen Hornkapsel kann sich das geschwollene Gewebe nur dadurch ausbreiten, in dem die Verzahnung der Blättchenschichten von Huflederhaut und Hornwand auseinander gedehnt wird. Hierdurch wird hochgradiger Schmerz ausgelöst. Der Schmerz verursacht, dass sich die Gefäße im Huf kontrahieren (verengen). Diese Gefäßverengung und die Huflederhautschwellung bewirken zusammen, dass das umgebende Gewebe weniger durchblutet wird und abstirbt. In der zweiten Phase hat das Hufbein keinen Halt mehr, dadurch kommt es zu einer Verlagerung des Hufbeins. Im schlimmsten Fall kann die Hufbeinspitze die Sohle durchbrechen. Ursachen Verschiedene Ursachen können den oben beschriebene Mechanismus auslösen: Die häufigste Ursache ist eine Stoffwechselstörung des Zäkums bzw. des Dickdarms bedingt durch Fütterungsfehler. In diesem Fall stammen die Toxine, die den Rehemechanismus aktivieren, aus körpereigenen Bakterien (Endotoxine), die sich übermäßig vermehrt haben. Das kommt vor, wenn das Pferd eine zu große Menge an Stärke (Kraftfutter wie Hafer, Gerste und Mais) oder an rasch fermentierbaren Kohlenhydraten (z. B. Fructane, die vor allem in den Gräsern unserer Breitengrade vorkommen) aufnimmt. Auf der Weide sind in erster Linie die Fructane die Kohlenhydrate, die bei übermäßiger Aufnahme eine Rehe verursachen können. Der Fructangehalt der Gräser auf den europäischen Pferdeweiden zeigt tages- und jahreszeitliche Schwankungen, die abhängig von der Vegetationsperiode, der Temperatur und der Lichtintensität sind. In einer Studie des Institutes für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen wurden zehn Pferdebetriebe im Münsterland untersucht. Die höheren Fructanwerte fanden sich im Frühjahr und im Herbst. Diese gefundenen Höchstwerte lagen aber deutlich unterhalb der Fructanmenge, mit der experimentell die Hufrehe ausgelöst werden konnte. Das zeigt, dass noch Kenntnisse zu den Faktoren fehlen, die in einem Pferd Hufrehe auslösen, während andere Tiere unter identischen Bedingungen gesund bleiben. Hier finden Sie passende Produkte zum Thema Hufrehe>> Die zweithäufigste Reheart ist die so genannte Geburtsrehe. Dabei verbleiben Nachgeburt oder Nachgeburtsreste in der Stute, worauf reheauslösende Giftstoffe aus der Gebärmutterwand austreten und in die Blutbahn gelangen. Weitere Ursachen können sein: - Kolik, durch die vorgeschädigte Darmschleimhaut gelangen die Endotoxine ins Blut - Durchfallerkrankungen - Infektionserkrankungen - Toxine aus Giftpflanzen - Medikamente wie Kortikoide - Cushing-Syndrom - Übergewicht - Stress und Erregungszustände - mechanische Überanstrengungen, wie z. B. langes Stehen auf hartem Boden, körperliche Grenzbelastungen, Galopp auf Asphalt oder Erkrankung eines Hufes (Überbelastung des gegenüberliegenden) Symptome Hufrehe frühzeitig erkennen In der Tiermedizin unterscheidet man zwischen einem a) akuten Stadium (frühes Stadium) und einem b) chronischen Stadium (kann schon 48 Stunden nach Lahmheitssymptomen auftreten und wochen- bzw. lebenslang andauern), in denen eine unterschiedliche Symptomatik zu erkennen ist. Zu a) Normalerweise beginnt die Hufrehe mit einer Erwärmung des Hufes und einer Pulsation der Zehenarterien, die sich am Fesselkopf ertasten lässt. Der Gang verändert sich, indem die Schritte kurz und flach werden und steif wirken. Danach treten hochgradige Schmerzen und die typische Haltung, „Trachtenfussung“ genannt, auf. Dabei stellt das Pferd die Hinterhufe so weit wie möglich unter den Körper und die Vorderhufe nach vorn. Das Pferd verweigert das Traben oder sogar sich zu bewegen. Weitere Symptome, die vorkommen können sind Schwitzen, Muskelzittern, eine erhöhte Atmungsfrequenz und Fieber (bei Kolik, Infektionskrankheiten oder Nachgeburtsverhalten). Sobald Sie ein oder mehrere dieser Symptome bei Ihrem Pferd bemerken, sollte ein Tierarzt gerufen werden. Zu b) In diesem Stadium werden die Lahmheitssymptome geringer oder der Patient zeigt eine völlige Lahmfreiheit. Auf den Röntgenbildern ist entweder eine Hufbeinsenkung oder eine Hufbeinsenkung und eine -rotation zu sehen. Die weitere Symptomatik hängt vom Grad dieser Befunde ab. Bei geringgradiger bis mittelgradiger Rotation kann man nach einiger Zeit am Huf die typischen Reheringe sehen. Diese Reheringe treten auf, da die Blutversorgung im Zehenspitzenbereich durch die Rotation vermindert ist und das verursacht wiederum, dass das Hufwachstum im Trachtenbereich schneller stattfindet. Bei hochgradiger Hufbeinrotation kann es zu einer Zusammenhangstrennung im Saumbereich (Einsenken der Krone) sowie auch in der Sohle (Vorwölbung) kommen. In manchen Fällen kann sogar die Hufbeinspitze die Sohle durchzubrechen. Mit der Zeit nimmt der Huf eine Knollenform an. Wie kann ich meinem Pferd helfen bis der Tierarzt kommt? Hufrehe ist ein akuter Notfall, der sofort vom Tierarzt behandelt werden muss. Dennoch können Sie Ihrem Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes helfen indem Sie folgendes berücksichtigen: 1. Kühlen Sie alle vier Hufe mit einer Dusche kaltem Wasser, besonders die Hufe, die am meisten betroffen sind. So wird die Entzündung gehemmt und die dadurch möglichen Schäden im Huf vermindert. 2. Stellen Sie Ihr Tier in eine ruhige Box mit möglichst tiefer Einstreu. Das entlastet die Hufe und verringert die Schmerzen. 3. Das Pferd sollte im frühen Stadium der Erkrankung nicht bewegt werden, denn das führt zu erhöhter Belastung der Hufbeinträger sowie zu einem verstärkten Zug der tiefen Beugesehne auf das Hufbein. Von einem Transport ist daher auch unbedingt abzuraten. 4. Ihr Pferd darf auf keinen Fall noch Kraftfutter und Gras fressen! Das ist äußerst wichtig, selbst wenn es sich nicht um eine Fütterungsrehe handelt, denn das Krankheitsbild kann sich dadurch noch weiter verschlechtern. Bieten Sie Ihrem Pferd am besten Heu an. Wie behandelt der Tierarzt mein Pferd? Die Therapie muss vor Eintreten der Rotation angesetzt werden, deswegen spielt die frühe Erkennung durch den Besitzer eine große Rolle, denn eine Hufbeinrotation ist schon nach 24 Stunden möglich! Die Behandlung erfolgt unter Berücksichtigung des Stadiums der Krankheit, in dem sich der Patient befindet. Behandlungsziele akute Phase: - Entzündung zum Stillstand bringen - Schmerz eindämmen - Durchblutung im Huf fördern - Thrombenbildung vorbeugen - Hufbeinträger vor mechanischer Überlastung schützen: Polster, tiefes Einstreu - Zug der tiefen Beugesehne vorbeugen: Individueller therapeutischer Beschlag - Stabilisierung der Darmflora: Diätische Unterstützung Behandlungsziele chronische Phase - Stabilisierung des Hufes, damit das Gewebe des Hufbeinträgers abheilen kann: Individueller therapeutischer Beschlag - Behandlung des Schmerzes (wenn noch vorhanden) - Regenerierung des Gewebes unter Hufwand und -sohle: Diätische Unterstützung Blanca Greciano Diese Artikel könnten Sie auch interessieren>>
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