Tierärztin Elke Groeneveld: „Gesunde Stuten für eine erfolgreiche Zucht“
Züchter fragen mich immer wieder „Kann ich meine Zuchtstute auf die nächste Besamung und Trächtigkeit vorbereiten?”Ja, man kann und sollte es auch, denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine gesunde und vitale Stute ein gesundes Fohlen zur Welt zu bringt, ist deutlich höher als bei einer schwachen und vernachlässigten Stute. Was im Winter mit der Zuchtstute gemacht wird, wie sie gehalten, behandelt und gefüttert wird, hängt natürlich in erster Linie davon ab, ob sie tragend ist oder nicht. Eine nicht tragende Stute, die im kommenden Frühjahr wieder gedeckt bzw. besamt werden soll, muss konditionell und gesundheitlich so vorbereitet werden, dass eine Besamung erfolgreich ist, die Stute also trächtig wird. Die Stute darf weder zu mager noch zu fett sein, sie muss so gefüttert werden, dass sie alle notwendigen Nährstoffe, Mineralien und Vitamine erhält, sowie ausreichend Raufutter in exzellenter Qualität (auch der kleinste Schimmel ist gesundheitsschädlich!). Des weiteren sind Impfungen, Wurmkuren und etwaige andere Behandlungen zur Erhaltung der allgemeinen Gesundheit außerordentlich wichtig. Je besser eine Stute sich fühlt, desto höher ist auch die Chance auf eine Trächtigkeit. Ausreichend Bewegung, frische Luft und die Gewährleistung der Gesundheit sind die besten Voraussetzungen.
Man sollte die Winterzeit also dazu nutzen, die inneren Organe, wie Gebärmutter und Eierstöcke, untersuchen zu lassen, um diese gegebenenfalls gegen Krankheitserreger in der Gebärmutter zu therapieren. Über die lange Winterzeit hat man mit homöopathischen Arzneimitteln ausreichend Möglichkeiten, eine angegriffene innere oder äußere Gesundheit wieder herzustellen und die Stute somit optimal auf die bevorstehende Besamung und Trächtigkeit vorzubereiten. Leider kommt es immer noch vor, dass viele dieser Stuten nicht geimpft werden, da es sich nach Ansicht der Besitzer ja „nur“ um Zuchtstuten handelt. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern auch dumm. Eine Infektion mit Influenza oder Herpes zum Beispiel, kann nicht nur zum Abort während der Trächtigkeit führen, sondern die Trächtigkeit auch verhindern. Somit wird viel Geld für die Decktaxe und den Tierarzt investiert, obwohl der Besitzer den Erfolg selber vorher vereitelt hat. Das nächste Problem entsteht dann, wenn das Fohlen auf die Welt kommt. Ein Fohlen einer nicht gegen Herpesvirus geimpften Stute kann tot, lebensschwach oder nur leicht erkrankt auf die Welt kommen. Die Impfung gegen Tetanus ist für die Stute selber sowie für das entstehende Fohlen überlebenswichtig. Die Stute soll möglichst viele Abwehrstoffe an das Fohlen weitergeben, aber das ist nur möglich, wenn die Stute gegen alle lebensbedrohenden Krankheiten geschützt ist. Für tragende Stuten gelten dieselben Grundregeln: ausreichend Bewegung, viel frische Luft, gutes und mit allen Mineralien und Vitaminen versetztes Futter, Impfungen und Wurmkuren. Der Unterschied besteht darin, dass die Futtermenge in den letzten drei Trächtigkeitsmonaten gesteigert wird und eventuell Zusatzstoffe verabreicht werden, um ein starkes, gesundes Fohlen zu erhalten. Darüber hinaus müssen die Impfungen zu ganz bestimmten Zeiten der Trächtigkeit gegeben werden, damit Stute UND Fohlen geschützt sind. Als Beispiel nenne ich hier die Herpesimpfung, die man während der Trächtigkeit zwei-oder dreimal geben kann. Bei Stuten, die in einem Stall weitgehend abgeschieden von anderen Pferden stehen, also nicht an andere Orte transportiert und eingestallt werden und somit keinen Kontakt zu Pferden haben, die viel mit dritten und vierten Pferden in Berührung kommen (Turnierpferde), reicht eine zweimalige Impfung während der Trächtigkeit: 1. Am Übergang vom dritten zum vierten Monat und 2. Am Übergang vom siebten zum achten Monat. Jedoch bei Stuten, die in Ställen stehen, in denen Turnierpferde ein und aus gehen, oder die selber zu unterschiedlichen Besamungsstationen gefahren werden, wo sie mit fremden Stuten in Kontakt kommen, dort empfehlen wir eine dreimalige Herpesimpfung während der Trächtigkeit: 1. Im fünften Monat, 2. Im siebten Monat und 3. Im neunten Monat. Jeder Züchter sollte ein Interesse daran haben, den größtmöglichen Aufwand für das Wohlbefinden seiner Zuchtstuten zu betreiben, denn sein Ziel ist es doch, starke und gesunde Fohlen hervorzubringen, die gewinnbringend verkauft werden. Elke Groeneveld
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