Die Besonderheiten des Verdauungssystems beim Pferd
Dieser Experten-Bericht von Dr. Anja Niemeyer bildet die Einleitung zu ihrem Themengebiet der
Pferdefütterung Teil 1
und
Pferdefütterung Teil 2.
Das Pferd ist ein ein Pflanzenfresser, in der Fachsprache auch Herbivor genannt. Der Magen des Pferdes ist mit einem Fassungsvermögen von ca. 8 bis 15 Liter gemessen am Körpergewicht relativ klein. Der Pferdemagen ist daher auf eine gleichmäßige Zufuhr von kleineren Futterportionen eingestellt, die er kontinuierlich an den Darm weiterleitet. Beobachtet man Pferde in ihrem Fressverhalten bei uneingeschränktem Futterangebot, so sind diese 12 bis 18 Stunden des Tages mit der Futteraufnahme beschäftigt. Das beim Weidegang aufgenommene Rauhfutter wird zunächst langsam gekaut und dabei gut eingespeichelt. Für eine ausreichende Kauaktion ist auf die Zahngesundheit des Pferdes besonders zu achten. Eine Besonderheit stellt das Gaumensegel des Pferdes dar, welches nur unvollkommen aktiv angehoben werden kann. Im Falle einer Schlundverstopfung kann das angeschoppte Futter nur durch die Nasenhöhle, nicht aber durch die Maulhöhle nach außen gelangen. Weiterhin befindet sich am Mageneingang des Pferdes eine kräftige Muskulatur der Speiseröhre, welche das Lumen außer beim Schluckakt hermetisch abschließt. Der Magen kann aus diesem Grunde auch bei einer Magenüberladung keine Entlastung erfahren, die Gefahr einer Magenruptur besteht. Hier finden Sie passende Literatur zum Thema Pferdefütterung>> Der Darm des Pferdes ist im Vergleich zum kleinen Magen sehr umfangreich (ein Zehnfaches der Körperlänge) und nimmt den größten Anteil des Bauchraumes ein. Er gliedert sich in den Dünndarm mit dem Zwölffingerdarm (ca. 1 Meter), dem Leerdarm (ca. 25 Meter) und Hüftdarm (ca. 0,7 Meter) und den Dickdarm (ca. 7 bis 10 Meter). Dieser besteht aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm und dem Endstück des Pferdedarms, dem Mastdarm. Hier finden Sie verschiedene Pferdefuttermittel zum Thema Verdauung>> Der Dickdarm fällt besonders durch das hohe Fassungsvermögen des Blinddarms (Fassungsvermögen 16 bis 68 Liter) und des ersten Abschnittes des Grimmdarms (Fassungsvermögen 55 bis 130 Liter) auf. Bedingt durch die lockere Aufhängung großer Teile des Dünn- und Dickdarms im Bauchraum sind Verlagerungen und Achsendrehungen nicht von Seltenheit. Weiterhin bilden sich im Grimmdarm durch seine Form einer doppelten U-förmigen Schleife sehr häufig Verstopfungen. Dr. Anja Niemeyer (Quellen: Lehrbuch der Anatomie der Haussäugetiere, Band II Eingeweide; Praxisorientierte Anatomie des Pferdes; Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung; Tierernährung – Leitfaden für Studium, Beratung und Praxis) Das könnte Sie auch interessieren>>
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