
Experten berichten: Die Tierärztin Dr. Anja Niemeyer von der Tierarztpraxis Groeneveld gibt uns eine Übersicht, welche verschiedenen Futtermittel es gibt und wie diese beim Pferd eingesetzt werden. Dieser Artikel bildet den zweiten von drei Teilen ihres Themas Pferdefütterung. Die Einleitung
Das Verdauungssystem des Pferdes finden Sie unter der Kategorie
Gesundheit
. Den dritten Teil bildet der Artikel
Pferdefütterung Teil 2.
Und auch dem Thema
Fütterung von Reitpferden
hat sie sich gewidmet und erklärt, wie man den Futterbedarf des Pferdes ermittelt. Die
Fütterung von Zuchtstuten
und auch die
Fütterung von Fohlen
erläutert Dr. Anja Niemeyer in zwei weiteren Berichten.
Weide-und Grünfutter
Die natürlichste Haltungsform des Pferdes ist der Weidegang, bei dem neben einer selbstständigen Futtersuche auch eine ausreichende Bewegung sichergestellt ist.
Dabei sollte eine Besatzdichte von etwa 5 Pferden je Hektar auf Umtriebsweiden bzw. von zwei bis vier Pferden je ha und Vegetationsperiode auf Standweiden nicht überschritten werden, um den täglichen Bedarf von ca. 30 bis 35 kg Gras eines Sportpferdes decken zu können.
Eine gleichzeitige Mitbeweidung von einzelnen Rindern in Pferdegruppen bzw. ein Wechsel von Rinder- und Pferdeweiden hat sich bewährt. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass der Übergang von der Winter- zur Weidefütterung allmählich erfolgt, damit die Mikroorganismen des Verdauungssystems sich an die Futterumstellung adaptieren können.
Bei einer abnehmenden Weideleistung im Herbst hingegen muss meist zusätzlich Grund- bzw. Kraftfutter beigefüttert werden, um den Energiebedarf decken zu können.
Stallhaltung
Viele Erkrankungen der Verdauungsorgane können durch die Haltungsbedingungen, die Fütterungs- oder Tränketechnik oder die angebotenen Futtermittel selbst entstehen.
Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass nur qualitativ einwandfreie und schmackhafte Futtermittel zum Einsatz kommen. Stallpferde sollten mehrfach täglich kleinere Portionen Futter erhalten, welche in der Gesamttagesration den individuellen Bedarf des Tieres an Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen decken. Weiterhin ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen rohfaserreichen Futtermitteln wie Heu, Stroh, Gras oder Silage und konzentrierten Futtermitteln wie z.B. Getreide oder Mischfutter (Müsli) wichtig. Wasser sollte den Tieren unbeschränkt zur Verfügung stehen (ausgewachsene Pferde trinken täglich 20 bis 40 Liter Wasser).
Rauhfutter Heu
Zumeist wird Wiesen- und Leguminosenheu an Pferde verfüttert, wobei immer auf die botanische Zusammensetzung, den Schnittzeitpunkt und die Konservierungsart geachtet werden sollte. Frisch geerntetes Heu sollte nicht direkt gefüttert werden und auf sehr staubiges oder verschimmeltes Heu sollte ganz verzichtet werden. Bei einem sehr späten Schnitt des Heus steigt der Rohfasergehalt deutlich an, damit nimmt aber auch die Verdaulichkeit zunehmend ab. Es sollten mindestens 0,5 kg Rauhfutter pro 100 kg Körpermasse täglich verfüttert werden. Als Gründe hierfür sind neben der reinen Nährstoffversorgung die Befriedigung des Kaubedürfnisses, ein ausreichender Speichelfluss, eine gesunde Darmperistaltik und mikrobielles Wachstum im Darm sowie die Sättigung und Beschäftigung zu nennen.
Rauhfutter Stroh
Heu kann teilweise auch durch Stroh ersetzt werden, allerdings hat dies im Vergleich zum Heu oder auch zur Silage durch den höheren Rohfasergehalt einen deutlich geringeren Futterwert. Maximal sollten 2 bis 3 kg Stroh pro Pferd (500 kg) und Tag verfüttert werden. Weizen- und Haferstroh eignen sich besser als Gersten- oder Roggenstroh.
Rauhfutter Silage
Die Fütterung von nicht zu kurz gehäckselten Silagen aus Gras, Leguminosen und Mais ist möglich. Aufgrund der Gefahr von Nachgärungen besonders zu warmen Jahreszeiten ist eine ganzjährige Silagefütterung nicht empfehlenswert. Aus demselben Grund sollte eine kleine Anschnittsfläche der Silos angestrebt werden. Flach- bzw. Hochsilos eignen sich demnach nur, wenn größere Pferdebestände vorhanden sind, bei kleineren Beständen ist die Verwendung von folienverpackten Rund- oder Quaderballen angezeigt. Silage kann alleine, aber auch in Kombination mit Heu oder Stroh verfüttert werden. Pro 500 kg Körpermasse sollten ca. 10 bis 15 kg Silage am Tag angeboten werden.
Hackfrüchte
Als Saftfuttermittel finden neben Karotten und Zucker- und Massenrüben auch Kartoffeln Verwendung in der Pferdefütterung. Der Gehalt an leicht verdaulichen Kohlenhydraten ist in diesen Futtermitteln relativ hoch. Allerdings ist der Einsatz von Hackfrüchten recht arbeitsaufwendig, da diese nur sauber gewaschen und gut zerkleinert zu verfüttern sind. Trockenschnitzel müssen vorher unbedingt eingeweicht werden, um Schlundverstopfungen zu vermeiden.
Kraftfutter
Der tägliche Bedarf eines Pferdes an Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen ergibt sich aus dem Erhaltungsbedarf und je nach Alter und Nutzung zusätzlich aus dem Mehrbedarf für Wachstum, Bewegung oder Zucht.
Dabei sollte der Erhaltungsbedarf möglichst durch strukturiertes und rohfaserreiches Futter gedeckt werden. Für den zusätzlichen Bedarf durch oben genannte Leistungen wird Kraftfutter beigefüttert.
Das bekannteste Kraftfutter ist der Hafer, der zum Teil auch durch andere Getreidekörner wie Mais oder Gerste ersetzt werden kann. Allerdings ist bei diesen Getreidearten der höhere Energiegehalt zu beachten.
Bei Hochleistungspferden kommen auch Fette – zumeist pflanzliche Öle- in Anteilen von
8 bis 12 % der Kraftfuttermenge zum Einsatz.
Pferdealleinfutter
Beim Pferdealleinfutter handelt es ich in der Regel um pelletierte Futtermittel, die hohe Anteile an Trockengrünmehl und Hafer, aber auch Gerste, Mais, Weizenkleie und Trockenschnitzel enthalten.
Dieses Futtermittel sollte jedoch – trotz der Bezeichnung als Alleinfutter- nie isoliert gefüttert werden. Zwar ist der Energiegehalt sehr hoch, aufgrund des sehr geringen Rohfaseranteiles ist aber bei alleiniger Fütterung sowohl das mechanische Sättigungsgefühl mangelhaft, als auch die Aufnahmezeit viel zu kurz.
Dr. Anja Niemeyer
Lesen Sie auch die Fortsetzung
Pferdefütterung Teil 2