Mineralien und andere Wirkstoffe als Ergänzung (Pferdefütterung Teil 2)
In ihrem folgenden Beitrag beschreibt Dr. Anja Niemeyer die wichtigsten Mengen- und Spurenelemente und Vitamine sowie deren Aufgaben im Organismus. Dieser Artikel bildet den dritten Teil ihres Themas Pferdefütterung. Die Einleitung
Das Verdauungssystem des Pferdes finden Sie unter der Kategorie
Gesundheit.
Als Fortsetzung lesen Sie
Pferdefütterung Teil 1.
Mengenelemente Als Mengenelemente fasst man die Mineralstoffe Calcium, Magnesium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlor und Schwefel zusammen. Im Unterschied zu Spurenelementen beträgt der mittlere Gehalt an Mengenelementen mehr als 50 mg pro kg Körpermasse. Alle Mengen-elemente sind lebensnotwendig und müssen dem Organismus mit der Nahrung zugeführt werden. Liegen Abweichungen vom Normalwert im Blutserum vor, sind diese die Folge von Ernährungsschäden und Krankheiten. Calcium Es spielt für ein kräftiges, gut ausgebildetes Skelett und für den gesamten Bewegungsablauf eine überragende Rolle. Eine Calcium-Unterversorgung führt zu einer schnellen Demineralisierung der Knochen. Besonders bei jungen Tieren ist auf eine bedarfsdeckende Calcium-Versorgung zu achten, um ein verringertes Wachstum, Knochendeformationen, vergrößerte Gelenke und Lahmheiten zu vermeiden. Magnesium und Phosphor Neben Calcium sind auch Magnesium und Phosphor wichtige Baustoffe für das Skelett und für die Zähne. Phosphor ist zudem am Aufbau der DNA beteiligt und Magnesium für die Funktion von Muskeln und Nerven wichtig. Natrium, Chlor und Kalium Diese drei Mengenelemente sind maßgeblich an der Aufrechterhaltung des osmotischen Druckes der Körperflüssigkeiten und am Säuren-Basenhaushalt beteiligt. Natrium wird in hohem Masse über den Schweiß abgesondert und bei fehlender Natrium-Ergänzung führt dies schnell zu Ermüdung und Überhitzung des Körpers. Spurenelemente Zu den wichtigsten lebensnotwendigen Spurenelementen gehören, Eisen, Jod, Kupfer, Mangan, Zink, Kobalt, Molybdän, Selen, Chrom, Zinn, Vanadium, Fluor und Silizium, deren Konzentrationen den Wert von 50 mg pro kg Körpermasse nicht überschreiten. Eisen Eisen ist im Hämoglobin, dem Farbstoff der roten Blutkörperchen, und im Myoglobin, dem Muskelfarbstoff, enthalten. Bei Mangelzuständen kann es zu Blutarmut (Anämie), zur verminderten Widerstandsfähigkeit, zum Appetitverlust und zu einem verringerten Wachstum kommen. Kupfer Kupfer ist vorwiegend für die Verarbeitung von Eisen im Stoffwechsel von Bedeutung. Ein Mangel an Kupfer führt unter Umständen zu Störungen in der Pigmentierung und Strukturierung des Haarkleides und in der Ausbildung des zentralen Nervensystems und des Skeletts. Zink Dieses Spurenelement ist besonders bei Jungtieren für das Wachstum wichtig. Weiterhin ist es für ein gesundes Haarkleid und eine gute Wundheilung von Bedeutung. Mangan Bei einem Manganmangel kann neben einem verminderten Wachstum, einer anomalen Skelettentwicklung, einer Neugeborenenataxie auch eine verringerte Fruchtbarkeit beobachtet werden. Selen Selen ist ein sehr wichtiges Antioxidans (Durch Oxidation entstehen aggressive Teilchen ( Radikale), die Zellen zerstören. Diese Radikale können durch Selen als Antioxidans abge-fangen werden. Ist der Bedarf an Selen nicht gedeckt, können Wachstumsstörungen und ein Muskelschwund die Folge sein. Jod Es ist essentiell für die Hormonbildung der Schilddrüse. Bei Jodmangel wird die Unterproduktion des Hormons durch eine vermehrte Bildung des Schilddrüsengewebes ausgeglichen, es kommt zur Ausbildung eines Kropfes. Fluor Fluor ist zum einen ein Bestandteil von Knochen, zum anderen ist es für die Härtung des Zahnschmelzes verantwortlich. Vitamine Vitamine sind lebensnotwendige organische Stoffe, die in allen höheren Lebewesen mit der Nahrung zugeführt bzw. aus dem Verdauungstrakt ins Blut aufgenommen werden müssen. Eine Avitaminose, d.h. ein völliger Mangel an einem Vitamin, führt zu spezifischen Krankheitsbildern. Diese ist beim ausgewachsenen Pferd aber selten. Oft liegt nur eine Hypovitaminose, also eine ungenügende Vitaminzufuhr besonders in den Winter- und Frühjahrsmonaten, als auch bei ganzjähriger Stallhaltung vor. Bei jungen Tieren kann eine Hypovitaminose zu Wachstumsstörungen und einer verminderten Resistenz gegen Infektionskrankheiten und bei ausgewachsenen Tieren zu einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit und einer verminderten Zuchtleistung führen. Die Vitamine werden üblicherweise in fettlösliche und wasserlösliche Vitamine eingeteilt. Fettlösliche Vitamine Zu den fettlöslichen Vitaminen zählen die Vitamine A, D, E und K. Sie müssen dem Pferd alle mit der Nahrung zugeführt werden. Vitamin A Dieses Vitamin ist von großer Bedeutung für den Sehvorgang, aber es ist auch am Knochenwachstum und an der Bildung und funktionellen Spezialisierung von Epithelien (Gewebeverband, der die innere und äußere Körperoberfläche bedeckt) beteiligt. Vitamin A-Mangel führt zu einer Verhornung der äußeren Körperhaut und der inneren Häute (Schleimhäute). Bei der Stute kann es zur Verhornung der Schleimhäute der Geschlechtsorgane und dadurch zu einer verminderten Trächtigkeitsbereitschaft kommen. Weiterhin können Missbildungen und Aborte mit einem Vitamin A-Mangel in Verbindung gebracht werden. Zudem ist Vitamin A nötig für den Stoffwechsel der Geschlechtshormone, so dass ein Mangel ursächlich für eine verzögerte Rückbildung des Gelbkörpers (Funktionskörper des Eierstocks) und eine verminderte Spermabildung und Spermaqualität sein kann. Die Vorstufe des Vitamin A ist das β-Carotin. Da Vitamin A nur in tierischen Geweben vorkommt, sind Pflanzenfresser auf die Aufnahme von β-Carotin angewiesen, aus dem dann das Vitamin A gebildet wird. Β-Carotin ist in grünen Pflanzen reichlich vorhanden, so dass es eher im Winter zu Mangelsituationen kommen kann. Zu beachten ist, dass das neugeborene Fohlen kaum β-Carotin verwerten kann. Bei tragenden Stuten sollte daher durch eine entsprechende Zufuhr bereits im Fötus eine Vitamin A-Reserve angelegt werden. Die gleichzeitig in der Mutterstute aufgebauten Reserven bewirken auch einen hohen Gehalt dieses Vitamins in der Kolostralmilch. Vitamin D Vitamin D greift in den Stoffwechsel von Calcium und Phosphor ein und wirkt somit einer Rachitis (gestörte Mineralisierung des Skelettes) entgegen. Es kann bei ausreichender UV-Bestrahlung im Körper selbst hergestellt werden, bei mangelnder Sonneneinstrahlung im Winter sollte es mit der Nahrung zugeführt werden. Vitamin E Es ist wichtig für den Zellstoffwechsel und wirkt als Antioxidans (siehe Selen). Bei einem Vitamin E-Mangel werden in erster Linie die Muskulatur und die Leber unterversorgt und folglich zurückgebildet. In jungem Grünfutter sind die Gehalte an Vitamin E besonders hoch. Vitamin K Dieses Vitamin ist am Mechanismus der Blutgerinnung beteiligt. Der Bedarf wird in der Regel durch die Synthese von Mikroorganismen im Darm gedeckt. Wasserlösliche Vitamine Wasserlösliche Vitamine sind Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C. Während Vitamin C vom Körper selbst hergestellt wird, können Vitamine der B-Gruppe von den Mikroorganismen im Dickdarm des Pferdes gebildet werden. Dies setzt allerdings optimale Wachstumsbedingungen der Mikroorganismen voraus, die durch Verdauungsstörungen, einseitige Fütterung oder krasse Futterumstellungen erheblich gestört werden können. Auf die sehr spezielle Wirkungsweise der einzelnen B-Vitamine als Bestandteile von Stoffwechselenzymen soll im folgenden Text nicht weiter eingegangen werden, sondern kann bei Bedarf in der entsprechenden Fachliteratur nachgelesen werden. Es soll aber kurz auf den Einsatz von Biotin verwiesen werden, welches bei hoher und langfristiger Dosierung zu einer verbesserten Hufqualität führt. Auch die Symptome bei einem Vitamin B-Mangel sind sehr vielfältig. Sie reichen von einer primären Beeinträchtigung des Stoffwechsels ohne zunächst äußerlich erkennbare Mangelsymptome über Hautschäden und Gewebsveränderungen bis hin zu Störungen der Nervenfunktionen und Krämpfen. Dr. Anja Niemeyer (Quellen: Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung; Tierernährung – Leitfaden für Studium, Beratung und Praxis)
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