Endlich wieder raus auf die Wiese – Ratschläge zum Anweiden
Experten berichten: Tierärztin Elke Groeneveld gibt Tipps, was man unbedingt beim Anweiden im Frühjahr beachten sollte.Auch dieses Frühjahr stellen sich wieder viele Pferdebesitzer die Frage: „Wie gewöhne ich mein Pferd an den Weidegang, sprich an die Futterumstellung im Frühjahr?” Der Weidegang ist die normalste und artgerechteste Haltung für unsere Pferde, birgt allerdings gerade im Frühjahr auch einige gesundheitliche Gefahren. Verantwortlich für diese Gefahren sind einerseits die vermehrte Stallhaltung der Pferde, andererseits die Haltung von Pferderassen, die in karg bewachsenen Gegenden heimisch sind, wie z.B. Shetland, Island, Norwegen. Dennoch sollte jedem Pferd täglicher Weidegang gegönnt werden. Für eine ausgeglichene Psyche und eine gute Lebensqualität des Pferdes ist der Weidegang unverzichtbar.
Da die Bodenbeschaffenheit es jedoch meist nicht zulässt, Pferde vor dem ersten Mai auf die Weide zu lassen, ist es umso wichtiger, diese Futterumstellung langsam und mit Bedacht vorzunehmen. Im frisch gewachsenen Gras sind viele wichtige Nährstoffe enthalten, vor allem aber Energie. Ein Pferd, das nur einmal pro Tag ein wenig geritten wird (1 bis 2 Stunden ausreiten), benötigt kaum Energie, sondern nur seinen Erhaltungsbedarf (lesen Sie hierzu auch den Artikel
Fütterung von Reitpferden).
In karg bewachsenen Gegenden muss sich ein Pferd 16 bis 18 Stunden pro Tag kontinuierlich fortbewegen, um seinen Erhaltungsbedarf zu decken. Auf unseren „fetten” Weiden stehen die Pferde die meiste Zeit an einem Fleck und können stundenlang um sich herum fressen.
So kann es schnell zu einem Überhang an Energiezufuhr kommen und dies führt zu Erkrankungen!
Die harmloseste Störung äußert sich in angelaufenen Beinen; es kommt ebenso zu Krampfkoliken bis hin zu dadurch resultierenden Verlagerungen des Darmes. Durchfall, Hufrehe und auch das Sommerekzem wird durch das übermäßige Nahrungsangebot gefördert.Jedes Jahr stellt diese Futterumstellung eine Herausforderung an den Stoffwechsel der Pferde dar. Warmblüter wie beispielsweise Holsteiner, Hannoveraner, Trakehner reagieren in der Regel mit Magen-Darm-Beschwerden wie Krampfkolik und Durchfall, was sich meistens schnell und ohne größere Komplikationen und Behandlungen normalisiert. Sehr viel komplizierter und anfälliger sind die so genannten Robustrassen wie Haflinger, Norweger, Isländer, Shettlandponies und alle anderen Pony-Rassen. Diese Tiere benötigen deutlich weniger Energie als den Erhaltungsbedarf. Jede weitere Energiezufuhr, die darüber hinaus geht, kann Krankheiten auslösen. Eine der häufigsten und dramatischsten Krankheiten ist die Hufrehe (lesen Sie hierzu den Artikel Hufrehe von der Tierärztin Blanca Greciano). Diese Entzündung der Huflederhaut verursacht überaus starke Schmerzen und somit hochgradige Lahmheiten. In manchen Fällen kann auch ein erfahrener Tierarzt diesen Prozess nicht mehr aufhalten, ganz gleich ob schulmedizinisch oder homöopathisch behandelt wird – manche Verlaufsformen der Rehe sind einfach therapieresistent. Ich empfehle meinen Kunden folgendes Vorgehen beim Anweiden: Beginnen Sie die ersten Tage mit 15 bis 20 Minuten auf der Weide. Steigern Sie innerhalb der nächsten zwei Wochen auf zwei bis drei Stunden. Beobachten Sie auch das Wetter – Regen und darauf folgender Sonnenschein lässt das junge Gras sprießen, das viel Energie enthält. Elke Groeneveld
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